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JUNIOR-MILCH in der Säuglings- und Kleinkinderernährung   Texte en français

Stellungnahme der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie


Seit einigen Monaten wird in der Schweiz von einzelnen Fabrikanten eine flüssige Ergänzungsnahrung unter dem Namen „Junior-Milch" für ältere Säuglinge ab 10-12 Monate und Kleinkinder bis zum Alter von 5-6 Jahre angeboten. Es handelt sich dabei um ein auf Basis von entrahmter Kuhmilch mit essentiellen Fettsäuren, Mineralstoffe, bes. Eisen und Vitamine, ev. zusätzlich mit Kohlenhydraten angereichertes Produkt. Die Zusammensetzung entspricht im wesentlichen derjenigen einer Folgemilch und erfüllt diesbezüglich die Anforderungen der EU-Richtlinien. In einzelnen Ländern der EU ist die Junior-Milch bereits seit einigen Jahren im Handel und besitzt, je nach Ernährungskultur, einen gewissen Stellenwert in der Kleinkinderernährung.

Ernährungswissenschaftliche Argumente für den Gebrauch einer Junior-Milch im Säuglings- und Kleinkindesalter sind:

  • der Eisenmangel, der auch heute noch die häufigste zu beobachtende Fehlernährung in der genannten Altersgruppe, sowohl in Industrie- als auch Entwicklungsländern, darstellt (1, 2),

  • die veränderten Ernährungsgewohnheiten, besonders in Industriestaaten, welche eine Fehlernährung bezüglich Mineralstoffe (Fe, Ca, Zn, Cu, Mn), und Vitamine (B-Gruppe, C, E) und essentiellen Fettsäuren begünstigen (3, 4),

  • die internationalen Präventionsstrategien gegen Fehlernährung bei Kleinkindern (1-4 Jahre), in deren Rahmen mit Mineralstoffen und Vitaminen angreicherte Kuhmilch und Cerealien eingesetzt werden. So sind z.B. die bei Kleinkindern sehr beliebten Frühstückscerealien in den USA und Kanada bereits seit mehreren Jahren mit Eisen und Vitaminen angereichert. Die Wirksamkeit solcher Massnahmen, bezüglich Eisen-Supplementierung von Cerealien, Kuhmilch-Formula und normaler pasteurisierter Kuhmilch für die Prävention und Behandlung der Eisenmangel-Anämie ist in neueren Studien belegt (5-9).

Argumente gegen den Einsatz von Junior-Milchen sind :

  • Es besteht das Risiko, die durch die veränderten Gesellschafts-Strukturen bereits begünstigte Erziehung zu einseitiger Ernährung (Fehlernährung?) weiter zu fördern.

  • Schliesslich ist festzuhalten, dass die Junior-Milchen 2-3x teurer als pasteurisierte Kuhmilch sind und deshalb gerade für Risikogruppen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten kaum erschwinglich sind.

Schlussfolgerung: Bei altersentsprechend ausgewogener Ernährung muss die Junior-Milch aus ernährungsphysiologischer Sicht als unnötig bezeichnet werden. In Anbetracht der hohen Priorität, die der weltweiten Prävention des Eisenmangels u.a. Fehlernährungen im Säuglings- und Kleinkindesalter eingeräumt wird, besitzt die Junior-Milch trotzdem einen gewissen Stellenwert, kann jedoch wegen des relativ hohen Preises im Vergleich zu normaler Kuhmilch zur Zeit nur von sozial besser gestellten Bevölkerungsschichten in industrialisierten Ländern verwendet werden.

Referenzen

  1. Ziegler EE, Formon SJ. Strategies for the prevention of iron deficiency: iron in infant formulas and baby foods. Nutr Rev; 54 (11 Pt 1): 348-54, 1996.

  2. Walker AR.The remedying of iron deficiency: what priority should it have? Brit J Nutr; 79(3): 227-35, 1998.

  3. Pennington JA, Schoen SA. Contributions of food groups to estimated intakes of nutritional elements: results from the FDA total diet studies, 1982-1991. Int J Vitam Nutr Res; 66(4): 342-9, 1996.

  4. Gopalan C. Current food and nutrition situation in south Asian and south-east Asian countries. Biomed Environ Sci; 9(2-3): 102-16, 1996.

  5. Walter T, Dallman PR, Pizarro F et al. Effectiveness of iron-fortified infant cereal in prevention of iron deficiency anemia. Pediatrics; 91(5): 976-82, 1993.

  6. Gill DG, Vincent S, Segal DS. Follow-on formula in the prevention of iron deficiency: a multicenter study. Acta Paediatr; 86(7): 683-9, 1997.

  7. Daly A, MacDonald A, Aukett A et al. Prevention of anaemia in inner city toddlers by an iron supplemented cow’s milk formula. Arch Dis Child; 75(1): 9-16, 1996.

  8. Rapetti MC, Donato H, de Galvagni A et al. Correction of iron deficiency with an iron-fortified fluid whole cow’s milk in children: results of a pilot study. J Pediatr Hematol Oncol; 19(3): 192-6, 1997.

  9. Abrams SA, O'Brien KO, Wen J et al. Absorption by 1-year-old children of an iron supplement given with cow’s milk or juice. Pediatr Res; 39(1): 171-5, 1996.

 


Dernière mise à jour du site: 17.09.2009