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Grundsätze zur Ernährung des Säuglings/Kleinkindes vom 5. bis 15. Monat  Texte français
O. Tönz und K. Baerlocher
mit Unterstützung der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie

In keinem andern Lebensabschnitt kommt der Ernährung eine so grosse Bedeutung zu wie in der frühen Kindheit. In dieser Phase des raschen Wachstums, der Entwicklung des zentralen Nervensystems und anderer Organe und Gewebe werden Grundsteine fürs Leben gelegt. Viele moderne Erkenntnisse unterstreichen mit grossem Nachdruck, dass eine optimale Ernährung in der ersten Lebenszeit nicht nur für das Wohlbefinden und Gedeihen des Säuglings, sondern auch im Hinblick auf die Gesundheit im späteren Lebensalter von nachhaltiger Bedeutung ist (1-4). Richtlinien, Empfehlungen, Vorschriften, ja sogar gesetzliche Verordnungen sorgen dafür, dass die Kinder in dieser empfindlichen Entwicklungsphase richtig und gesund ernährt werden.

Diese "Reglementierung" betrifft vor allem die Zeit der ersten Monate, die Saugphase, in welcher Muttermilch als alleiniges Nahrungsmittel die ideale Ernährung darstellt (5). Für die wenigen Säuglinge, die nicht von der Mutter ernährt werden können, oder die die Mutter aus andern Gründen nicht stillen möchte, stehen industriell gefertigte Muttermilchersatzpräparate zur Verfügung, deren Zusammensetzung durch eine wissenschaftliche Kommission der EU für den europäischen Raum geregelt ist (6), und auch für die Schweiz in der Lebensmittelverordnung 1995 bindend übernommen ist.

Wesentlich geringer ist die Regeldichte für die zweite Ernährungsphase: jene Periode, in welcher das Kind nebst Muttermilch (bzw. Flaschennahrung) noch "Beikost" erhält. Diese Phase ist Gegenstand der folgenden Ausführungen. Dabei kann und soll es nicht darum gehen, auch noch diesen Zeitraum genau zu reglementieren - im Gegenteil! - mit dem "Beikostalter" soll der Spielraum für das persönliche Empfinden der kindlichen Bedürfnisse und eine persönliche Freiheit in der Gestaltung der Ernährung grösser werden. Gerade deshalb weist die Beikost in den verschiedenen Kulturen eigene Züge auf. Dementsprechend wurden auch diese Richtlinien bewusst freizügig formuliert; Verbote oder Vorbehalte wurden nur dort ausgesprochen, wo dafür triftige Gründe vorliegen.

Dem Anspruch einer strengen Wissenschaftlichkeit können diese Richtlinien nicht in jedem Détail genügen. Immerhin sind sie mit den heutigen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft kompatibel und garantieren eine Ernährung, die nicht nur die ausreichende Zufuhr aller theoretisch notwendigen Bausteine sicherstellt, sondern sich auch in langer Erfahrung praktisch bewährt hat.

Diese Ausführungen sind in erster Linie als Richtlinien für jene Fachleute zu verstehen, die eine Wegleitung für ihre berufliche Tätigkeit suchen: Ärzte für Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde, angehende Kinderärzte in der Weiterbildung, Mütterberatungsschwestern, Ernährungsberaterinnen, Still- und Lactationsberaterinnen etc.

Ernährungsgrundlage ist weiterhin die Milch

Für stillende Mütter ändert sich mit der Einführung der Beikost vorerst nichts. Das Kind kann weiterhin nach Bedarf gestillt werden. Auch wenn es bereits 3 Tellermahlzeiten erhält, soll es noch mindestens zweimal täglich angelegt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Milchproduktion versiegt.

Für nicht mehr gestillte Säuglinge gelten folgende Hinweise: Kinder dieser Altersstufe können noch weiterhin mit "Anfangsmilchen" ernährt werden. Möglich ist aber ab dem "Beikostalter", d.h. ab dem fünften Monat, auch die Umstellung auf "Folgemilch", die nicht mehr als ausschliessliche Nahrung konzipert ist, sondern als Teil einer sich weiter diversifizierenden Mischkost (5,6). Folgemilch ist dem Vorbild der Muttermilch demnach etwas weniger streng nachgebildet als die Anfangsmilchen, aber für diese Altersstufe durchaus adäquat. Jedenfalls ist sie für den ganzen Rest des ersten Lebensjahres unverarbeiteter Kuhmilch vorzuziehen.

Die Einführung von "gewöhnlicher", pasteurisierter (oder uperisierter) Kuhmilch erfolgt schrittweise. Zuerst kann sie beim Milch-Getreidebrei zugesetzt werden, später, mit etwa 8 Monaten, erhält das Kind etwas Joghurt im Obst-Cerealien-Muesli. Bei der noch verbleibenden Schoppenmahlzeit soll die Säuglingsmilch frühestens nach 10-12 Monaten durch unverdünnte Kuhmilch ersetzt werden. Zur Optimierung dieser Übergangszeit bietet die Industrie auch eine spezielle, eiweissreduzierte, eisenangereicherte "Junior"-Milch an.

Wird für die Säuglingsnahrung eine Kuhmilchverdünnung empfohlen (2/3 Milch, 1/3 Wasser), so soll dafür immer ein vollfette Milch verwendet werden. Nur damit ist eine genügende Versorgung an essentiellen Fettsäuren (Linolsäure, a-Linolensäure) gewährleistet. Die Milchverdünnung dient vor allem der Reduktion des zu hohen Eiweiss- und Mineralstoffangebotes. Eine fettreduzierte Milch wird erst mit 2-3 Jahren sinnvoll und empfehlenswert (7). - In der hier zur Diskussion stehenden Altersstufe von 5 bis 15 Monaten ist Kuhmilch (auch pasteurisierte) grundsätzlich abzukochen. Dies nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern weil dadurch auch die durch Frischmilch induzierten Mikroblutverluste im Darm weitgehend vermieden werden (8,9).

Die Selbstherstellung einer Säuglingsmilch aus verdünnter Kuhmilch mit einem Kohlenhydratzusatz wird heute - vor allem für das erste Lebenshalbjahr - nicht mehr empfohlen. Später ist diese preisgünstige Variante einer "Folgemilch" durchaus vertretbar. Dabei halte man sich an folgende Regeln:

  • bei der Zubereitung auf einwandfreie Hygiene achten;
  • 2 T Vollmilch (160 ml), 1 T Wasser (80 ml). Dazu ein käuflicher Kohlenhydratzusatz (Dextrinmaltose-Stärke) und Linolsäure*)

*) Bei Verwendung industriell vorgefertigter Kombinationspräparate (Lactoplus) Zubereitungsvorschrift beachten.

 Warum Beikost?

Der Begriff "Beikost" geht auf den deutschen Pädiater Adalbert Czerny zurück, der ihn für den Zusatz zur Brust-, bzw. Flaschennahrung um die Jahrhundertwende geprägt hat. Er ist als deutsches Lehnwort auch im englischen Schrifttum gebräuchlich.

Knapp werdende Energie- und Eiweissversorgung

Die Energieversorgung wird beim Brustkind ab 5./ 6. Monat knapp. Von gewissen Kreisen wird zwar immer wieder geltend gemacht, dass Kinder auch im zweiten Lebenshalbjahr unter reiner Muttermilchernährung gut gedeihen würden. Zweifellos gibt es solche Einzelbeobachtungen; aber im grossen Durchschnitt nehmen diese Kinder an Gewicht und Körpergrösse weniger zu als Säuglinge mit einer Zusatzfütterung (10).

Richtlinien dürfen sich nicht an einigen "Idealfällen" orientieren, nicht einmal an den arithmetischen Mittelwerten, sondern müssen so formuliert sein, dass auch Kinder aus ungünstigen Konstellationen betreffend Bedarf und Angebot noch optimal ernährt werden.

Die durchschnittliche Milchaufnahme eines gesunden Säuglings erreicht im 2.-3. Monat auf Grund diverser Studien ein Plateau im Bereich von

750-800 ml, was 510-560 Kcal entspricht (11) und steigt anschliessend nur noch geringfügig an (s. Abb. 1) . Diese Menge ist nicht mütterlicherseits limitiert; es lässt sich regelmässig noch mehr Milch aus der Brust ausdrücken (12). Ernährt eine Frau mehrere Kinder (z.B. bei Zwillingen oder Ammenernährung), wird die Milchproduktion ohne weiteres erhöht; sie kann sich mehr als verdoppeln. Offensichtlich hat aber das Kind kein Verlangen nach noch mehr Muttermilch, akzeptiert aber eine zusätzliche Energiezufuhr aus andern Quellen.

Der Energiebedarf für ein optimales Gedeihen wurde mit modernster Methodik (doubly labeled water method) errechnet (13-15). Er sinkt -von ursprünglich 110-120 Kcal/kg in den ersten zwei Monaten - bis zu 5 Monaten auf 80 - 85 Kcal/ Kg ab und steigt dann wieder geringfügig an (85 - 90 Kcal/Kg im zweiten Lebenshalbjahr). Mit ausschliesslicher Brusternährung werden diese Bedarfswerte bei durchschnittlicher Milchmenge ab dem 5.-6. Monat unterschritten und würden mit 6-9 Monaten wesentlich unter dem Sollwert liegen (Abb. 1).

Auch die Eiweisszufuhr kann marginal werden. So würde beispielsweise ein 5monatiger Knabe mit 7 Kg (=50P) aus 750 ml Muttermilch nur noch rund 1 g Eiweiss pro Kg Körpergewicht erhalten. Mit andern Worten:

ausschliessliches Stillen wird ab einem kindlichen Gewicht von 7 Kg im Durchschnitt aller Mutter-Kind-Paare ungenügend in Bezug auf Energie und Eiweiss.

Qualitative, ernährungsphysiologische Aspekte

Während der Saugphase nimmt das Kind nur Flüssignahrung zu sich, d.h. Nahrung mit einem sehr hohen Wassergehalt. In Anbetracht der noch geringen Konzentrationsfähigkeit der neonatalen Niere ist dies notwendig. Inzwischen ist diese Konzentrationsfähigkeit und damit die Ausscheidungskapazität der Nieren wesentlich besser geworden, sodass eine Volumenreduktion von der flüssigen Milch zum halbfesten Brei möglich geworden ist.

In der Milch fehlen Nahrungsbestandteile, die im späteren Leben unentbehrlich sind oder zu den wichtigsten Energielieferanten zählen. So ist beispielsweise die Stärke, das Hauptnahrungsmittel des Menschen, in der Milch noch gar nicht vertreten; auch Nahrungsfasern fehlen vollständig. Dabei ist der Darm in dieser Altersstufe für die Verdauung auch grösserer Polysaccharidmengen durchaus ausgerüstet, und dank der inzwischen erfolgten Besiedlung des Dickdarmes mit Bakterien können auch Hemicellulosen abgebaut werden (16).

Die Fettzufuhr, die bei Milchernährung rund 50% der Energiezufuhr ausmacht, sollte bis ins zweite Lebensjahr auf etwa 35% reduziert sein. Dazu kommt, dass Milchfett mehr und mehr durch die an ungesättigten Fettsäuren reicheren pflanzlichen Fette, bzw. Öle ersetzt werden sollte (17).

Der Eiweissbedarf pro Kg Körpergewicht wird ebenfalls geringer; er sinkt von anfänglich ca. 2,0 g auf 1,3 g/Kg mit 15 Monaten ab (18>. Mit reiner Muttermilchernährung wird dieser - wie bereits ausgeführt -nach 5 Monaten nur noch marginal gedeckt. Aber unter ausschliesslicher Ernährung mit Folgemilch oder gar mit selbst hergestellten Schoppenmahlzeiten würde die erwünschte Reduktion nicht erfolgen.

Ausserdem deckt die ausschliessliche Milchernährung auf die Dauer nicht mehr alle Bedürfnisse in Bezug auf "Mikronutrients". So wird das Angebot einiger Vitamine (Vitamin D, K und Niacin), sowie die Versorgung mit Spurenelementen (Zink, Selen> suboptimal.

Besonders kritisch wird die Eisenversorgung. Das rasche Wachstum geht mit einer ebenso raschen Vermehrung der Blutmenge einher. Eisenmangel im Säuglings- und Kleinkindesalter führt aber nicht nur zur Anämie, sondern auch zu einer Beeinträchtigung der psychomotorischen und mentalen Entwicklung (19,20). Die benötigten Eisenmengen können nur durch Zugabe eisenhaltiger Beikost bereit gestellt werden. Dieser Bedarf wird vor allem durch Fleisch, in geringerem Masse auch durch Gemüse, gedeckt.

Die Beikost bringt den Säugling ausserdem mit verschiedenen pflanzlichen Inhaltsstoffen in Kontakt, vor allem auch den diversen Aromastoffen, an die er sich nach und nach gewöhnen muss.

Ab wann Beikost ?

Beikost soll erst dann eingeführt werden, wenn das Kind für diese einschneidende Neuerung "reif" ist. Diese Reife bezieht sich weniger auf die Ausreifung der Enzymausstattung des kindlichen Verdauungstraktes - diese wäre schon kurz nach der Geburt weitgehend bereit (21) - vielmehr um die allgemeine körperliche, geistige und seelische Reifung.

Eentwicklungsphysiologische Voraussetzungen

Eine Löffelfütterung ist in den ersten Wochen wegen des Saugreflexes und den dazugehörenden Zungebewegungen mit Schwierigkeiten verbunden. Bei Beginn der Beikostnahrung muss das Kind in seiner neurophysiologischen Entwicklung soweit sein, dass es den Löffel akzeptiert, und das reflektorische Wiederausstossen des Speisebreis nach kurzem Training überwunden werden kann. Ausserdem sollte das Kind im Schoss der Mutter sitzen können und über eine kontrollierte Kopfhaltung verfügen, sowie Hunger und Appetit durch Öffnen des Mundes, Sättigung durch Verweigerung äussern können. Dieser Grad der neurophysiologischen und statuo-motorischen Reifung ist mit 4-5 Monaten erreicht; im gleichen Zeitpunkt also, in welchem die Energiezufuhr durch Muttermilch allein nach und nach knapp wird (22).

Der ideale, gleichzeitig auch früheste Zeitpunkt zur Einführung der Beikost liegt für gestillte und "künstlich ernährte" Kinder also im 5.Monat. Mütter, die sehr gut und gerne stillen, und deren Kind auch unter exklusiver Brusternährung weiterhin gut zunimmt (100-150 g pro Woche; Körpergewicht >25 P) können diesen Termin auch noch um einen (oder höchstens 2> Monat(e) hinausschieben.

Eine späte Beikostverabreichung ist indiziert bei Kindern atopischer Eltern. Eine sogenannt hypoallergene Ernährung während des ersten halben Jahres mit später Einführung gemischter Kost (erst ab 6 Monaten) vermag das Auftreten allergischer Erkrankungen gemäss heute vorliegender Langzeitstudien bis zum Alter von 5 Jahren zu verringern (23-25). Nahrungsmittel mit häufig allergiesierender Wirkung sind für das ganze erste Lebensjahr zu meiden: tierische Frischmilch, Eier, Nüsse, Soja, Sellerie, Fisch, Kakao (Schokolade), Zitrusfrüchte.

Das praktische Vorgehen

Die Umstellung von der Brust (oder Flasche> auf den Löffel gelingt nicht bei jedem Kind gleich gut. Der Lernprozess beginnt mit ganz wenigen Löffelchen. Dazu eignet sich z.B. ein käuflicher, d.h. kontrolliert nitratarmer Karottenbrei. Wenn das Kind die Löffelfütterung akzeptiert und erlernt hat, kann die Menge zügig auf 200-250 g erhöht werden, wobei dann bei diesem Aufbau der Karottenbrei nach und nach durch einen Gemüse-Kartoffelbrei ersetzt wird. Oft erfolgt der Einstieg noch leichter mit einem kleinen Stück einer gut zerdrückten Banane oder feinst geriebenem Apfel. Der süsse Geschmack erleichtert dem Kind die Umstellung von der ebenfalls süssen Muttermilch. Sobald die Nahrungsaufnahme erlernt ist, wird dann auf Gemüse-Kartoffelbrei umgestellt. Einige Löffelchen eines Apfel-Bananen-Purées oder etwas Fruchtsaft - als "Dessert" nach dem Gemüse-Kartoffelbrei oder auch nach dem Stillen - können aber durchaus beibehalten werden.

Beim nicht gestillten Kind wird mit der ersten Tellermahlzeit eine Schoppenmahlzeit durch Brei ersetzt. Es erhält jetzt dreimal 200-250 ml Anfangs- oder Folgemilch und die gleiche Menge eines Gemüse-Kartoffelbreies. Mit der zweiten Breimahlzeit fällt eine weitere Trink-mahlzeit weg, etc.

Beim Brustkind geht die Gleichung nicht nach diesem einfachen Schema auf. Da der Gemüse-Kartoffelbrei kalorisch weniger bietet als ein entsprechendes Quantum Milch, die Energiezufuhr aber gesteigert werden soll, erhält das Kind weiterhin nach seinen Bedürfnissen die Brust. Eine gewisse Reduktion der Stillfrequenz und Milchmenge wird sich erst mit der Zeit, z.B.. nach der Einführung der zweiten Tellermahlzeit bemerkbar machen.

Erste und zweite Breimahlzeit sollen im Abstand von 4 - 5 Wochen eingeführt werden; bis zur dritten mag der Zeitabstand noch etwas grösser sein, besonders wenn frühzeitig, d.h. schon mit 4 Monaten mit Beikost begonnen wurde. Ein starres Schema ist hier aber nicht notwendig. Die Mutter darf nach Gutdünken, nach ihrer persönlichen Situation (evtl. Wiederaufnahme der Berufsarbeit ausser Haus) entscheiden. Es ist auch möglich, als erste Tellermahlzeit den abendlichen Getreidebrei einzusetzen, besonders dann, wenn damit ein besseres Durchschlafen des Kindes erzielt werden möchte.

Die einzelnen Brei-Mahlzeiten.

Die zeitliche Abfolge der Einführung der verschiedenen Breimahlzeiten geht aus Abbildung 2 hervor. Grundsätzlich gilt, dass die Breimahlzeit anfänglich fein püriert, später etwas gröber zerdrückt oder gestückelt dargereicht werden soll. Die tageszeitliche Abfolge richtet sich vor allem nach dem Schlaf-Wachrhythmus des Kindes. Es ist auch durchaus statthaft, die hier vorgeschlagene Mittags- und Abendmahlzeit auszutauschen oder zu variieren.

1. Der Gemüse-Kartoffel-(Fleisch)-Brei

Dieser Brei wird meistens als zweite (oder dritte) Tagesmahlzeit gegen Mittag verabreicht. Aus ihm entwickelt sich später das Mittagessen.

Wie der Name sagt, besteht er aus Gemüse und Kartoffeln; 2-3mal pro Woche soll er durch etwas Fleisch angereichert werden; je nach Gutdünken auch häufiger. Ab dem 2. Halbjahr kann das Kind einmal wöchentlich auch ein gekochtes Eigelb erhalten (nicht für Allergie-gefährdete Kinder!).

Als Gemüse eignen sich anfänglich am besten Karotten, später können je nach Saison nach und nach Blumenkohl, Broccoli, Fenchel, Zucchetti, Schwarzwurzeln, Lattich, Spinat etc. eingeführt werden. Der Brei besteht in der Regel aus 1/2 - 2/3 Gemüse, den Rest bilden Kartoffeln. Dazu kommen ein oder zwei Kaffeelöffel (5-10 ml) Öl, z.B. Sonnenblumen- oder Maiskeimöl, zur Anreicherung des Energiegehaltes, vor allem aber zur Deckung des Bedarfes an essentiellen Fettsäuren.

Es empfiehlt sich, zu dieser Gemüse-Kartoffel-(Fleisch)mahlzeit einige Löffelchen Orangensaft oder geriebene Äpfel zu verabreichen. Damit wird die Resorption des pflanzlich gebundenen Eisens verbessert.

Als Fleischzusatz empfiehlt sich am ehesten Kalb-, Lamm-, Poulet- oder Trutenfleisch (etwas später evtl. auch Fisch); püriert, zerrieben oder fein zerschnitten. Fleisch drängt sich in erster Linie wegen seines hohen Eisengehaltes auf. Die normale Portion beträgt 30 g. Wer als besonders günstigen Eisenspender- Leber verabreichen möchte, soll dies wegen des zu hohen Vitamin A-Gehaltes höchstens einmal wöchentlich (max. 50 g) tun ! - Eltern, die ihr Kind vegetarisch ernähren wollen, achten darauf, dass es häufig eisenangereicherte Beikostprodukte und dazu genügend Vitamin C erhält.

Da die Zubereitung des Gemüse-Kartoffelbreis relativ aufwendig ist, kann ein grösseres Quantum auf einmal hergestellt werden. Dabei wird die nicht benötigte Menge in Portionen tiefgefroren und anderntags im Wasserbad oder mit Mikrowellen aufgetaut und erwärmt.

Gegen Ende des ersten Lebensjahres können die Kartoffeln alternierend nach und nach durch Reis, Mais oder feine Teigwaren ersetzt werden.

Auf einen Salzzusatz sollte während des ganzen ersten Lebensjahres verzichtet werden.

2. Der Milch-Getreidebrei

Dieser Brei wird in der Regel als Abendmahlzeit eingeführt. Er besteht grundsätzlich aus quellfähigen Getreideprodukten, wie Weizengriess oder Getreideflocken und Milch. Als solche kann "Anfangsmilch", "Folgemilch" oder eine 2/3 Milch verwendet werden. Im 8./9. Monat darf man auf unverdünnte Milch umstellen. Als vorteilhafte Alternative ist dann auch eine käufliche Junior-Milch möglich.

Circa 200 ml 2/3-Milch (140 ml Vollmilch, 70 ml Wasser) und 20 g Getreidegriess oder -flocken werden kurz aufgekocht. Zu bevorzugen sind Vollkorngetreideflocken. - Die meisten käuflichen Fertigprodukte enthalten bereits Milch in Trockenform und müssen nur noch mit warmem Wasser angerührt werden. (Packungsaufschrift beachten !).

Empfehlenswert zur Vitaminanreicherung ist die Zugabe von etwas Fruchtbrei oder -saft, z.B. 20 ml Orangensaft. Auf Zucker soll mit Rücksicht auf die Zahngesundheit verzichtet werden.

Ab dem Alter von 10-12 Monaten können auch andere Getreidegerichte wie Haferbrei (Porridge), Griesspudding, Maisbrei, Hirse, evtl. Zwieback verabreicht werden.

3. Der Obst-Getreidebrei

Im 7.-8. Monat wird - am ehesten am Nachmittag - eine weitere Brei-mahlzeit eingesetzt, ein Obst-Getreidebrei, der aus Früchten und Cerealien (Flocken) besteht. Im Sinne einer weiteren Reduktion des Eiweiss- und Milchfettangebotes soll dieser Brei nur mit etwas Wasser oder dem Saft der Früchte, je nach Gutdünken auch kalt, angerührt werden. Bei hungrigen Kindern dazu 50 bis 100 g Joghurt. (Diese Joghurt-Portion kann evtl. auch allein zum z'Nüni verabreicht werden).

Als Ausgangsprodukt dienen Instant-Getreideflocken (z.B. VollkornWeizen- oder Hirseflocken) ohne Milchzusatz. Früchte je nach Saison. Später ergibt sich daraus ein "Bircher"- oder ähnliches Muesli. Auch hier gilt: kein oder nur wenig Zucker; er ist, besonders bei gekochten Früchten, nicht immer ganz vermeidbar. Bei Verwendung eines Früchte-Joghurts kein zusätzlicher Zucker!

Übergang zur Kinder-/Erwachsenennahrung.

Gegen Ende des ersten Jahres wächst das Kind nach und nach an den Tisch der Familie heran. Dementsprechend wird die Nahrung derjenigen der Erwachsenen schrittweise angeglichen. Der eigene Gebrauch der Hände und die zahlreicher werdenden Zähne gestatten jetzt auch eine Ernährung mit festen Nahrungsbestandteilen. Brotrinde eignet sich für den Einstieg besonders gut; solche kann unter Aufsicht schon früher,

d.h. etwa ab 8. Monat zum "Kautraining und oralen Lustgewinn" angeboten werden. Die reine Trinkmahlzeit am Morgen wird durch Brot mit Butter (oder Margarine) und Konfitüre, evtl. auch mit Cerealien, zu einem landesüblichen Frühstück ergänzt. Der Becher ersetzt die Flasche.

Bei Bedarf eine kleine Zwischenmahlzeit zum z'Nüni: Apfel, Brot, Joghurt, Quark oder ähnliches.

Damit wird nach 15-18 Monaten eine Verselbständigung des Essens erreicht; nur das Verkleinern der Nahrung wird noch durch die Eltern besorgt. Mit Ausnahme stark gesalzener oder gewürzter Speisen teilt jetzt das Kind die Tafelfreuden der Familie.

Salz nur zurückhaltend zusetzen ! Grundsätzlich soll immer iodiertes und fluoridiertes Kochsalz (grüne Packung) verwendet werden. Meersalz enthält diese wichtigen Komponenten nicht !

Wo die Familie nicht mehr zu vollständigen Mahlzeiten zusammensitzt, die Eltern keine Zeit mehr für die Zubereitung eines vollwertigen Essens aufbringen, sind käufliche Junior-Präparate die bessere Alternative als irgendwelche Snacks.

Auch wenn sich die Wachstumsgeschwindigkeit im 2./3. Lebensjahr gegenüber dem Säuglingsalter nach und nach abschwächt, ist das Kind auch in dieser Phase noch auf eine optimale, sorgfältig zubereitete und vollwertige Nahrung in besonderem Masse angewiesen.

Trinken

Die moderne Ernährungslehre legt grossen Wert auf eine genügende Flüssigkeitszufuhr. Des Säuglings Kost ist von Anfang an Flüssignahrung. Sein Wasserbedarf ist somit bei weitem gedeckt; selbst Beduinenkinder in der Wüste benötigen - so lange sie gestillt werden -kein zusätzliches Wasser. Auch die Breinahrung ist immer noch sehr flüssigkeitsreich, sodass in den ersten 12-15 Monaten kein zusätzliches Wasser notwendig ist; Ausnahmen eventuell an extrem heissen Sommertagen. Wichtig ist aber eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr bei Fieber und - in häufigen, kleinen Portionen (Teelöffelweise!) verabreicht -bei Erbrechen.

Besonders gewarnt wird vor dem Gebrauch der sogenannten "Nuckelflasche", die, mit gezuckertem Tee oder Fruchtsaft gefüllt, zu verheerenden Schäden des Gebisses führt. Wenn das Kind Durst hat, vermag gewöhnliches Wasser diesen am besten zu stillen (26). Süssgetränke sind zu meiden. Mineralwasser bietet in der Regel keine nennenswerten Vorteile gegenüber Leitungswasser (27). Für Fruchtsäfte empfiehlt sich eine Verdünnung 1:1.

Später, d.h. nach dem hier besprochenen Lebensabschnitt, wird ein Glas Wasser zu den Hauptmahlzeiten und weitere Flüssigkeit auf Bitten des Kindes eine vernünftige Empfehlung darstellen.

Beikost selbst hergestellt oder aus den käuflichen Gläschen ?

In den letzten 25 Jahren hat die industriell hergestellte Beikostnahrung die Märkte mehr und mehr erobert. Zu Recht oder zu Unrecht ? Es gibt Argumente für beide Alternativen. Der Entscheid liegt bei den Eltern.

Vorzüge der selbsthergestellten Beikost

Die Überlegenheit der selbsthergestellten Beikost beruht - nebst dem finanziellen Aspekt der doch billigeren Eigenproduktion - vor allem auf psychologischer Seite. Die Mutter (oder der Vater) hat sich mit der Ernährung ihres Kindes intensiv und persönlich auseinanderzusetzen. Damit ist auch ein Lernprozess verbunden, der u.U. für die Ernährung der gesamten Familie von Vorteil ist. Ausserdem bevorzugt der

Mensch intuitiv Frischprodukte. Frisches Gemüse oder Obst wird von jedermann höher geschätzt als Konservenprodukte. Solche wertvollen Ernährungsinstinkte sollen nicht erstickt werden!

Vorzüge der industriell hergestellten Beikostnahrung

Mit der Nahrung aus dem Gläschen ist ein höheres Mass an Sicherheit in Bezug auf Reinheit, (auch Schadstoffreinheit), richtige Zusammensetzung, Verträglichkeit etc. verbunden:

  • Es existieren sehr strenge gesetzliche Vorschriften bezüglich des Schadstoffgehaltes von Säuglingsnahrung, die bei den industriell hergestellten Präparaten de facto eingehalten und kontrolliert werden. Schon während der Produktion wird auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmitteln verzichtet, sodass die Präparate praktisch rückstandfrei sind.
  • Die Zusammensetzung des Nährstoffgehaltes ist den kindlichen Bedürfnissen besonders gut angepasst und unabhängig von jahreszeitlichen Schwankungen. Vitamine, die bei der Produktion oder durch die Lagerung verloren gehen, sind ergänzt. Auch andere notwendige Spurenelemente wie Eisen oder Jod sind bedarfsentsprechend angereichert. -Ihre Zusammensetzung ist in einer EU-Richtlinie reglementiert (28). Damit ist eine optimale, vollwertige Nahrungsqualität garantiert. Achtung: Die als Bioprodukte gekennzeichneten Breimahlzeiten dürfen diese wertvollen Nahrungsergänzungen gemäss "Bioverordnung" nicht enthalten ! (29,30).
  • Beikostgläschen sind zeitsparend und erleichtern die mütterliche Arbeit.

Die Liste der Argumente für vorgefertigte Beikostnahrung ist also wesentlich länger, wenn auch nicht alle Argumente von so entscheidender gesundheitlicher Relevanz sein mögen wie es auf den ersten Blick erscheint. Schlussendlich wird eine vernünftige Kombination beider Ernährungsweisen am meisten Vorteile bringen - anfänglich eher Industrieprodukte, später mehr und mehr Selbstgefertigtes.


Literatur

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27.Tönz 0: Mineralwasser zur Herstellung von Säuglingsnahrung. Schweiz. Ärztezeitung 71: 487-89 (1990>

28.Richtlinie 96/5 der Kommission der EU vom 26.2.96 über Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder. Amtsblatt der Europ. Gemeinsch.L 49/17-19 (1996)

29.Verordnung über die biologische Landwirtschaft und die entsprechende Kennzeichnung der pflanzlichen Erzeugnisse und Lebensmittel ("Bioverordnung) vom 22.9.97

30.Verordnung des EVD über die biologische Landwirtschaft 22.9.97

31.Tönz 0: Von der Mamma zum Pappa. Monatsschr Kinderheilk 144 (Suppl 2]: S 150-55 (1996)


Für die kritische Durchsicht des Manuskriptes danken wir

  • den Mitgliedern der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie: PD M. Roulet, Profs. P. Nars, D. Shmerling, Drs. P. Bähler, G. Délèze, H. Gaze, S. Giambonini
  • Forum für Praxispädiatrie: Dr. A. Bächler
  • Schweiz. Verein der Mütterberatungsschwestern: E. Gerber, M. Kläui, A. Urben.
 

Dernière mise à jour du site: 17.09.2009